Weihnachtsbrief im Dezember 2007

Gemeinschaft
Nicht gleiche Antworten, aber die gleichen Fragen,
nicht gleiche Wege, aber das gleiche Ziel,
nicht gleiche Frömmigkeit, aber den gleichen Herrn,
nicht alle gleich, aber alle eins,
sich gleichzeitig geliebt wissen - und liebend.
W. Hoffmann

Vor einigen Tagen fand ich das Gedicht von W. Hoffmann "Gemeinschaft". Die Aussage des Gedichtes spiegelt viele Facetten unseres Dienstes hier im Hospiz Luise wider, die Gemeinschaft mit unseren Patienten, Angehörigen und untereinander. Jetzt, wenige Tage vor Weihnachten, wird uns diese Ge-meinschaft besonders deutlich, wenn wir Christen auf der ganzen Welt das Fest der Geburt Christi feiern, das für uns das Symbol der Liebe, der Wärme und der Hoffnung ist, weil Gott Mensch wurde.

Diese Gemeinschaft haben wir auch durch Sie erfahren dürfen. Indem Sie sich in unterschiedlicher Weise mit unserem Hospiz Luise verbunden fühlen und uns unterstützt haben. Dafür sagen wir Ihnen DANKE.

Das Gedicht erinnert uns an viele Situationen in diesem Jahr, in denen wir alle -Patienten, Angehörige und Mitarbeitende- diese Gemeinschaft erlebt haben. So unterschiedlich wir unsere Fragen und Antworten, die Ziele und die Wege, ja auch die unterschiedliche Frömmigkeit erlebt und erfahren haben, führte uns der Austausch darüber zueinander.

In besonderer Erinnerung werden uns zwei Mitarbeitende bleiben, die wir bis zu ihrem Tode in unserem Hospiz Luise in diesem Jahr begleitet haben. Wie wichtig waren da die Freude, das Lachen und die Traurigkeit, die wir uns ge-genseitig zeigen konnten. Gemeinschaft ist hilfreich, so unterschiedlich wir auch sind, das Miteinander und die Offenheit lässt uns unsere Arbeit tragen.

Denken wir auch an jene Begleitung einer Patientin, deren langer Weg und Verlauf ihrer Krankheit so ungewiss war: Wie hilfreich und unterstützend waren ihre Familie und ihr großer Freundeskreis, die sie täglich besuchten. Und wie oft waren trotz der Schwere ihrer Erkrankung Momente des Lachens und der Freude in ihrem Gesicht erkennbar. Eine Bestätigung unserer Arbeit, in dieser Gemeinschaft sich gegenseitig geliebt und angenommen zu fühlen.

Wir werden oft gefragt, wie wir die Hospizarbeit leisten können, jeden Tag in der Auseinandersetzung mit dem Sterben und dem Tod. Wir haben nicht die gleichen Antworten, nicht gleiche Wege, nicht die gleiche Frömmigkeit, aber wir haben uns als Gemeinschaft, in der wir ambulant wie stationär unseren Dienst tun. Das setzt im Team immer wieder die Bereitschaft voraus, dass wir in unserer täglichen Arbeit kritisch bleiben und überprüfen, ob das, was wir tun, dem einzelnen Patienten und seinen Angehörigen gerecht wird. Und gleichzeitig schließt es immer mit ein, dass wir uns um einander kümmern und jeder Mitarbeitende auch gut Sorge für sich selbst trägt.

Verbundenheit mit uns durften wir auch wieder bei unserem Sommerfest in diesem Jahr erfahren, das wir gleichzeitig mit dem 150jährigen Jubiläum unse-rer Trägerin gefeiert haben. Es war wieder ein wunderbarer froher und sonni-ger Tag rund um das Hospiz Luise und das VinzenzKrankenhaus mit vielen Besuchern. Auch an diesem Tag war die Gemeinschaft spürbar und wir sagen Danke, dass so viele unser Sommerfest engagiert unterstützt und mit gestaltet haben.

Im November feierten wir erstmalig zusammen mit dem Hospiz Misburg und dem Uhlhorn Hospiz in der Markuskirche ein gemeinsames Benefizkonzert, das uns wieder das Bundespolizeiorchester Hannover geschenkt hat. Mit dieser Veranstaltung haben wir ebenfalls ein Zeichen der Gemeinschaft der stationä-ren Hospize hier in Hannover gesetzt. Wir waren überaus glücklich über die positive Resonanz, die wir dabei erfahren durften. Das hat uns so bestärkt, dass wir auch im kommenden Jahr wieder eine gemeinsame Veranstaltung geplant haben.

Im Januar 2008 wird unser ambulanter Palliativdienst zehn Jahre alt, mit dem wir kostenlose Unterstützung und Beratung zu Hause anbieten. Auf Bundes-ebene werden wahrscheinlich in den nächsten Wochen Weichen gestellt für eine erstmalige gesetzliche Regelung und Finanzierung. Die ambulante Pallia-tivversorgung kann dadurch auf eine stabilere Basis gestellt werden. Dies ge-schieht stets als Ergänzung z.B. der Hausärzte und der Pflegedienste sowie natürlich zur Unterstützung der Angehörigen.

Denn die meisten Menschen sind die längste Zeit mit ihrer Erkrankung zu Hause und benötigen dort Unterstützung. Gemeinschaft in der Familie ist nur möglich durch Stärkung derselben, durch Ermutigung und durch praktische Hilfe. Haupt- und ehrenamtliche Begleitung und Beratung, auch über den Tod hinaus, gehört ganz wesentlich dazu. Der aktuell dritte Kurs für ehrenamtliche Trauerbegleiter zeigt hier unser Wachstum in diesem Bereich genauso wie immer mehr Besucher im monatlichen Trauercafé.

Die Zusammenarbeit mit allen hospizlichen und palliativen Diensten in der Region Hannover baut sich ebenfalls weiter aus. Durch den "Runden Tisch Palliativ und Hospiz" wird eine bessere Koordinierung der Angebote für die Patienten und ihre Familien erreicht, z.B. durch eine Vernetzung der verschie-denen Anbieter und es werden gemeinsame Veranstaltungen angeboten. Ver-netzung schafft Gemeinschaft, von Menschen und Einrichtungen. Wir brauchen Gemeinschaft. Danke, dass Sie sich mit uns verbunden fühlen.

Für das kommende Jahr haben wir wieder Veranstaltungen geplant, die wir Ihnen mit diesem Weihnachtsgruß ankündigen. Über eine Begegnung mit Ihnen freuen wir uns:

Am Donnerstag, 13. März 2008, 17:00 Uhr, werden wir wieder einen Gedenkgottesdienst in der St.-Martin-Kirche im Roderbruch (Nußriede 21) feiern. Dazu laden wir ganz herzlich ein. An diesem Tag wollen wir aller Verstorbenen des vergangenen Jahres gedenken, die wir ambulant und stationär begleitet haben.

Am Samstag, 05. Juli 2008, ab 11:00 Uhr, startet wieder unser Sommer-fest rund um das Hospiz Luise. An diesem Tag freuen wir uns wieder über die großzügige Unterstützung des Lions Clubs Hannover, der einen Zirkus für das Fest organisieren wird. Wir freuen uns sehr darauf.

Ganz besonders möchten wir auf eine geplante gemeinsame Veranstaltung mit dem Hospiz Misburg und dem Uhlhorn Hospiz hinweisen. Wir sind noch in der Planung, eines ist aber schon gewiss: Das Bundespolizei Or-chester Niedersachsen unter der Leitung von Mathias Höfert wird im Rahmen der geplanten Veranstaltung wieder für uns ein Benefizkonzert veranstalten. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und werden rechtzeitig darüber informieren und einladen.

In Verbundenheit mit Ihnen wünschen wir ein friedvolles, gesegnetes Weihnachtsfest und ein gutes zufriedenes Jahr 2008. Es grüßt Sie im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Hospiz Luise

Kurt Bliefernicht