Weihnachtsbrief im Dezember 2005

Vor einigen Tagen übergab mir unsere Patientin Frau Rose umseitiges Gedicht, das sie in schlaflosen Nächten unserem Hospizteam gewidmet hat. Die Worte, die sie gefunden hat, sprechen von Dank und Hoffnung, sowie von Wünschen für ihren Weg im Hospiz Luise, der noch vor ihr liegt.

In einem unserer Abschiedsbücher fand ich einen Text von Khalil Gibran: "Aus der Dunkelheit brach ein Licht und erleuchtete meinen Weg".

Diese Worte dürfen uns mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest verbinden. Das Licht, das uns als leuchtender Stern von Bethlehem erschienen ist. Der Dank von Frau Rose und das erleuchtende Licht sollen gemeinsam Botschaft für unseren diesjährigen Weihnachtsbrief sein. Worte des Dankes lassen sich auch für uns auf die Ereignisse und Situationen übertragen, die wir in diesem nun ausklingenden Jahr wieder erfahren durften.

Beeindruckend sind für uns immer wieder Zeiten, in denen unseren Patienten noch Gemeinschaft miteinander geschenkt wurde. Spürbar war der Halt, den sie sich untereinander gegeben haben. Stützend durch ein Wort oder eine Geste, wenn es dem Mitpatienten nicht gut ging. Dankbar zu sein, die Mahlzeiten miteinander in unserer Wohnküche noch einnehmen zu können, sich zu verabreden zu einem gemeinsamen noch möglichen Spaziergang, Gespräche miteinander zu führen. Da waren Momente, in denen herzhaft gelacht, Trost ausgesprochen, Hilfe angeboten wurde, trotz des Wissens um die eigene begrenzte Zeit, die noch bleibt.

Wir erinnern uns gern an die Zeit vor dem Sommerfest, als eine Patientin für den Basar wunderschöne bunte Schals strickte, die wir auf dem Fest angeboten haben. Ob sie es ahnte, dass sie das Sommerfest nicht mehr miterleben würde? Ihr war es wichtig, noch einen Beitrag zum Gelingen eines erfolgreichen Sommerfestes zu leisten. Und ganz wichtig auch für sie: Diesen Tag, der mir noch geschenkt wird, zu leben und zu genießen. Dieses Miteinander zeigt einen Teil unseres täglichen Lebens mit unseren Patienten und den Angehörigen. Wie wichtig ist da der gegenseitige Blick, das Wort, die Umsicht, der Trost und die Hilfe, ja auch noch das Lachen, wenn die letzten Tage für den Patienten angebrochen scheinen.

Das Leben mit unseren Patienten zeigt uns in dieser Zeit, in der viel über die aktive Sterbehilfe diskutiert wird, dass wir mit unserer ambulanten und stationären Hospizarbeit auf dem richtigen Weg sind. Sterbende signalisieren uns, dass es trotz ihres Leides immer wieder leuchtende Momente in Zeiten ihrer Dunkelheit gibt und wie wichtig es ist, ihnen in dieser Zeit durch ein Wort, einen Blick, durch Beistand nahe zu sein: Meine Angst vor dem Sterben wird klein, ihr werdet bei mir sein, ich überlasse euch meine Hand.

Denke ich an das zurückliegende Jahr, so haben wir viel Schönes, Bereicherndes und Ermutigendes erleben dürfen:

Im April feierten wir unseren gemeinsamen Gedenkgottesdienst mit den Angehörigen und Freunden unserer verstorbenen Patienten. Nach dem Gottesdienst trafen wir uns zum gemeinsamen Austausch, der für die Angehörigen so wichtig geworden ist, im Gemeindehaus.

Zu unserem diesjährigen Sommerfest, das wieder von Regenwetter begleitet war, konnten wir uns trotzdem über eine große Anzahl von Besuchern freuen. Und wir sagen DANKE für die großzügige Unterstützung und Hilfe, die wir wieder durch Engagement und Spenden erfahren durften.

Vor einigen Wochen haben wir mit dem Umbau unserer Kapelle begonnen. Sie soll zukünftig als ruhender Pol inmitten unseres Hospizes zur Besinnung und zum Gebet einladen.

Wie wichtig Zusammenarbeit beim Hospizgedanken ist, zeigte uns das gemeinsame Benefizkonzert mit dem Uhlhorn Hospiz in der Marktkirche. Dort durften wir eine große Solidarität mit unserer Arbeit durch 800 Besucher erfahren. Wir danken den Künstlern, die wesentlich zum Gelingen des Abends beigetragen haben.

Unterstützung erfahren wir das ganze Jahr hindurch durch den großartigen Einsatz unserer ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Darüber hinaus werden wir unterstützt z.B. durch Spenden, einen wöchentlichen Blumenstrauß oder durch spontanes Backen von Kuchen und Keksen, die uns gebracht werden. Unverzichtbar ist unser Freundeskreis, der uns hilft, unser finanzielles Defizit ein Stück auszugleichen. Auch ihnen sagen wir unseren Dank für die stetige Unterstützung.

Danke, dass ihr Sterbende liebt

Das Mittragen unserer Arbeit auf unterschiedliche Weise hilft uns, unseren Sterbenden ein Abschiednehmen in Würde zu gestalten. Fühlen Sie sich bitte auch zukünftig mit uns verbunden. DANKE.

Hospiz zu Hause zu ermöglichen ist weiterhin Ziel, Auftrag und auch der Lohn unseres Ambulanten Palliativdienstes (APD). Über 300 Patienten und ihre Familien können wir dadurch im Jahr zu Hause erreichen. Gut weiterentwickelt hat sich dabei die Trauerbegleitung des APD mit Gesprächen, Besuchen und dem Trauercafe. Derzeit werden elf Ehrenamtliche dafür in einem eigens konzipierten Kurs weiter befähigt. Und in der Kooperation mit dem "Klinikum Region Hannover" sowie dessen neuer Palliativstation im Krankenhaus Siloah zeigt sich der Nutzen einer sinnvollen Zusammenarbeit. Ferner zeigt sich derzeit auch auf landes- und bundespolitischer Ebene viel Bewegung und Diskussion, um die ambulante Palliativarbeit strukturell wie finanziell zu etablieren und voran zu bringen.

Für das nächste Jahr haben wir wieder Veranstaltungen geplant, die wir Ihnen mit diesem Weihnachtsgruß ankündigen. Über die Begegnung mit Ihnen freuen wir uns: Am Donnerstag, 06. April 2006, 17:00 Uhr, werden wir wieder einen Gedenkgottesdienst in der St.-Martin-Kirche im Roderbruch (Nußriede 21) feiern. Dazu laden wir ganz herzlich ein. An diesem Tag wollen wir aller Verstorbenen des vergangenen Jahres gedenken, die wir ambulant und stationär begleitet haben.

Am Samstag, 15. Juli 2006 ab 11:00 Uhr, startet wieder unser Sommerfest rund um das Hospiz Luise - Sonne oder Regen, wir sind gewappnet!

Ganz besonders möchten wir auf das zweite gemeinsame Benefizkonzert für das Hospiz Luise und das Uhlhorn Hospiz hinweisen:

Am 07. November 2006, 19:30 Uhr, wird das Bundespolizei-Orchester Hannover unter der Leitung von Matthias Höfert im Großen Sendesaal des NDR-Funkhauses ein Benefizkonzert veranstalten. Wir freuen uns auf Ihr Kommen.

Aus der Dunkelheit brach ein Licht und erleuchtete meinen Weg

Wir wünschen Ihnen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gutes zufriedenes Jahr 2006.

Es grüßt Sie im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Hospiz Luise

Kurt Bliefernicht