Weihnachtsbrief im Dezember 2001

Liebe Freunde des Hospiz Luise,

zum Ende dieses Jahres, kurz vor dem Weihnachtsfest, erreicht Sie wieder ein Gruß aus dem Hospiz Luise. Für unseren Brief haben wir in diesem Jahr ein Motiv des Künstlers Sieger Köder ausgewählt: Eine Rose, die aus einem trockenen - wie es scheint toten - Baumstamm hervorwächst und durch ihre Blüte etwas vom Leben erahnen und erhoffen lässt. Ein Bild, zu dem mir das alte Weihnachtslied: "Es ist ein Ros entsprungen“ einfällt. Ein Bild, das für mich wie Zuspruch und Trost ist. Es gibt Hoffnung "mitten im kalten Winter“, es gibt Leben, das aus dem Tod erwächst. Es gibt Freude mitten im tiefsten Leid. Es gibt Hoffnung in aller Hoffnungslosigkeit. All das sind auch Erfahrungen im Hospiz Luise, Erfahrungen die uns immer wieder Kraft kosten aber auch so viel Kraft schenken. Erfahrungen, die wir weitergeben und erfahrbar machen wollen.

In diesem Jahr ist ein kleines Mädchen, das nicht einmal zwei Monate alt wurde, in unserem Haus gestorben. Für die Mutter und die Geschwister der kleinen Michelle war das unendlich schwer und fast nicht zu ertragen. Traurigkeit, Wut, Verzweiflung und Ohnmacht waren ganz deutlich im Hospiz zu spüren, aber auch Vertrauen, Hoffnung und die Sicherheit: "Da gibt es Menschen, die halten sogar diese schwere Wegstrecke mit mir aus“. Sieger Köder drückt es in seinem Bild aus: Hoffnung mitten im kalten Winter!

Das Jahr 2001 war ein ereignisreiches Jahr für uns und es gibt wieder einige „Highlights“, von denen ich Ihnen berichten kann:

Da war unsere Masken-Aktion, die so viel Begeisterung ausgelöst hat. Wir waren überwältigt, wie viele Menschen sich am Gestalten der Masken beteiligt haben, und wie viele wunderschöne Masken wir zurückbekommen haben. Das Fest im Rathaus war ein voller Erfolg. Die Öffentlichkeitsarbeit, die Moderation, die Musik, die Gestaltung der Rathaushalle . . es war für uns überwältigend, so selbstlose und engagierte Mithilfe zu erfahren. Dieser Abend wurde zu einer wirklichen Unterstützung unserer Arbeit.

Auch unser Sommerfest war wieder ein Erfolg, dank der leckeren Kuchen und der tollen Preise, die bei der Tombola zu gewinnen waren. Auch hier gab es wieder unermüdliche Helfer, ohne die wir Feste in dieser Art gar nicht veranstalten könnten. An dieser Stelle noch einmal einen ganz lieben Dank an alle Mitwirkenden. Auch für das nächste Jahr haben wir wieder unser Sommerfest geplant, und wir möchten Sie schon jetzt herzlich dazu am 10. August 2002 einladen. Wir freuen uns, wenn viele Menschen durch ihren Besuch ihre Solidarität mit unserer Arbeit zeigen.

Anlässlich des Sommerfestes wurde auch der Anbau eingeweiht. Wir waren froh, als endlich alle Bauarbeiten abgeschlossen waren und wieder Ruhe im Hospiz einkehrte, die dazu gewonnenen Räume sind eine sinnvolle Erleichterung und Bereicherung unserer Arbeit.

Wir verfügen nun über einen schönen hellen Raum für Informationsveranstaltungen, Gruppentreffen und für unsere Öffentlichkeitsarbeit. Es gibt einen separaten Eingang von der Brakestrasse aus. So können wir Gäste ins Hospiz einladen, ohne dass die eigentliche wohnliche und familiäre Atmosphäre unseres Hauses davon beeinflusst wird.

Einer der schönsten Räume in unserem Anbau ist unser Ruhe- und Entspannungsraum. Es ist ein Raum in dem alle Sinne angesprochen werden können, ein Klang–Wasserbett, ein Projektor der bezaubernde Lichteffekte an die Wand malt, ein Fasernebel-Wasserfall, der durch sein Farbenspiel fasziniert, eine Stereoanlage, eine Wassersäule, Duftlampen . . . Dieser Raum hat schon einigen Patienten und ihren Angehörigen Zeiten der Entspannung und Ruhe geschenkt. Eines der schönsten Erlebnisse im Zusammenhang mit diesem Raum, ist die Erfahrung einer jungen Patientin, die mit ihrem Freund für einige Zeit in unserem Raum "abgetaucht“ ist und die dort einfach nur miteinander Stille, Entspannung und das Beieinandersein mit allen Sinnen genossen haben.

Unser Ambulanter Palliativdienst hat mehr "Raum" bekommen und kann – jetzt mit uns unter einem Dach – von den neuen Büros aus die ambulante Begleitung noch besser koordinieren. Unsere APD-Mitarbeiter weiten ihre Arbeit immer mehr aus und werden gut angenommen. Sie leisten Unterstützung, dass Menschen bis zu ihrem Tod in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Ein weiterer Schritt, den Hospizgedanken auch in anderen Einrichtungen noch lebendiger werden zu lassen, ist eine Kooperation mit dem Klinikum Hannover. Für das nächste Jahr werden wir eine Mitarbeiterin aus dem Klinikum im Team unseres APD haben.

Für den 24. Januar 2002 haben wir ein besonderes Geschenk erhalten: Lutz Rädecker und sein Ensemble "Fette Schnecke“ führen in der "Marlene“ eine Benefizveranstaltung ihrer Varieté-Show für uns auf. Wer Lust und Spaß an dieser Veranstaltung hat, deren Erlös für unser Haus bestimmt ist, ist dazu herzlich eingeladen. Da in der "Marlene" nur ca. 120 Plätze zur Verfügung stehen, wäre es ratsam, Eintrittskarten vorzubestellen. Diese Karten (solange der Vorrat reicht!) für 40,-- Euro können jedoch aus abwicklungstechnischen Gründen lediglich an einem einzigen Tag d.h., am 9.Januar 2002 telefonisch im Hospiz Luise (Karten –Tel.Nr.:52 48 76 74) bestellt werden.

Wir - alle haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter im Hospiz Luise –sagen Dank für alle Hilfe, Solidarität und Unterstützung im ausklingenden Jahr und wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und für das neue Jahr einen Blick für alle Sonnenstrahlen - auch „mitten im kalten Winter“!

Ihre

Schwester Katharina-Maria Hanne