Weihnachtsbrief im Dezember 1998

Wißt ihr noch wie es geschehen?
Immer werden wir’s erzählen:
Wie wir einst den Stern gesehen
Mitten in der dunklen Nacht.

Liebe Freunde des Hospiz Luise,

Wißt ihr noch ....

Wißt ihr noch ... so lautet die Zeile des Weihnachtsliedes, das wir am vergangenen Weihnachtsfest immer wieder gesungen haben. Wißt ihr noch? Es ist eine Frage, die wir hier im Hospiz immer wieder hören: sie wird von uns gestellt, Patienten fragen ihre Angehörigen: Weißt du noch...?.

Wißt ihr noch? Diese Frage kann uns mit Dankbarkeit erfüllen, manchmal wohl auch mit Wehmut, mit Freude oder mit Traurigkeit. In dem Weihnachtslied ist von einem Stern die Rede. Ein Stern, der Licht in die Dunkelheit gebracht hat, der einen Weg aufgezeigt hat: Mitten in der dunklen Nacht ... Manchmal brauchen wir diese Sterne auf unseren Wegen um Licht zu entdecken, um Hoffnung schöpfen zu können. Manchmal brauchen wir "Sternstunden".

Wenn ich in diesem Brief auf das zurückliegende Jahr schaue, dann ist das Gefühl von Dankbarkeit wohl das Überwiegende. Wieder ist viel geschehen, wieder durften wir viel Schönes, Bereicherndes und Ermutigendes erleben . Es gab viele "Sternstunden" im Hospiz Luise.

Fast einhundert Patienten haben in diesem Jahr bei uns und mit uns gelebt. Meistens waren Angehörige Teil unserer Gemeinschaft. Viele schöne Erlebnisse, aber auch viel Schweres haben wir hier erfahren.

Unser Sommerfest war wie auch schon in den vergangenen Jahren ein voller Erfolg. Noch mehr Besucher kamen zu uns und noch mehr Menschen und Gruppen haben sich auf die unterschiedlichste Weise engagiert. So gab es zu unserem Sommerfest einen Flohmarkt, eine Handarbeitsgruppe hat in stundenlanger Arbeit einen wunderschönen Quilt für uns gearbeitet und ihn dann versteigert, der Lions Club hat mit viel Ideenreichtum eine Reise versteigert um einen neuen Mobistuhl für uns zu finanzieren. Dank dieses Stuhles können unsere bettlägerigen Patienten noch Ausflüge und Spaziergänge mitmachen. Die Patienten haben den Trubel um das Sommerfest genossen und rege Anteil genommen. Besondere Freude hat die Musik ausgelöst die von dem Ehemann einer bei uns verstorbenen Patientin gespielt wurde und die Darbietung einer Gruppe des Heeresmusikcorps war ein wirklicher Höhepunkt auf unserem Sommerfest.

Im Oktober dieses Jahres haben uns dann Heidrun und Dörte Blase zusammen mit Andreas Weber wieder ein wunderschönes Konzert geschenkt. Die Markuskirche war gut besucht, und alle, die an dem Benefizkonzert teilgenommen haben, waren von dem hervorragenden Konzert begeistert. Schülerinnen der Marienschule haben zu unseren Gunsten ein Benefizkonzert in der Godehard –Basilika in Hildesheim gegeben. Alle, die auf dem Konzert waren, erzählten von der Begeisterung der Schülerinnen und der wunderbar vorgetragenen Musik.

Aber es gab auch wieder viele Einzelaktionen im Hospiz und für das Hospiz Luise. Ein Mädchenchor erklärte sich ganz spontan zu einem kleinen Auftritt bei uns bereit. Und seit einiger Zeit geben jeden Sonntag Vormittag zwei Damen abwechselnd ein kleines "Sonntagskonzert", das hilft, den Sonntag als einen besonderen, nicht alltäglichen Tag zu gestalten und zu erleben. Jeden Monat bekommen wir von der Firma Bahlsen ein Kekspaket und ab und an bringt uns eine Dame ganz spontan einen selbstgebackenen Kuchen vorbei, der immer viel Freude auslöst. Wieder verzichteten Menschen zu unseren Gunsten auf Geschenke bei Geburtstagen oder Jubiläen, organisierten einzelne Menschen oder Gruppen Aktionen wie eine Hutmodenschau, einen Flohmarkt, einen Benefizverkauf, ein Straßenfest. Bei der Bild -Herzensbrücke wurden wir bedacht und durch zwei Preise konnten wir einen Zuschuß für unsere Arbeit auf unserem Konto verbuchen.

All diese Aktionen bedeuten viel mehr für uns als nur das Geld das wir natürlich auch weiterhin brauchen. Sie bedeuten und zeigen uns, daß das Hospiz Luise angenommen und unterstützt wird. Daß unsere Arbeit geschätzt wird und daß viele Menschen auf ihre Weise mithelfen wollen, daß wir unsere Arbeit auch in Zukunft fortführen können. Wir möchten Ihnen dafür danken, denn diese Zeichen der Solidarität sind mehr als Bestätigung und Ermutigung für uns!

In den vier Jahren unseres Bestehens ist inzwischen viel gewachsen, wir haben viele Erfahrungen sammeln können und wir stellen immer wieder fest wie wichtig unsere Arbeit ist. Wir bemerken aber immer öfter Defizite in der Versorgung sterbender Menschen zuhause. Oft erleben wir Hilflosigkeit bei Angehörigen und manchmal braucht es eine Beratung oder Unterstützung von Angehörigen oder Pflegenden damit Menschen wirklich bis zu ihrem letzten Atemzug zuhause bleiben können. Seit Anfang dieses Jahres haben wir eine Krankenschwester aus unserem Team für diese Arbeit eingesetzt. Sie berät Menschen in Krisensituationen, ist ansprechbar und koordiniert Hilfsdienste. Auch dank des evangelischen Hospizdienstes, der mit ehrenamtlichen Kräften Menschen zuhause begleitet ist es so vielen Menschen möglich die letzte Zeit ihres Lebens in ihrer gewohnten Umgebung zu verleben. Wir freuen uns sehr, daß wir für diesen "Brückendienst" die Zusage des Klinikums Hannover haben, sich personell daran zu beteiligen.

In dem oben zitierten Weihnachtslied ist von dem Stern die Rede, den die Hirten gesehen haben. Das Symbol des Sterns, der die dunkle Nacht erleuchtet, ist ein sehr passendes Bild für das Hospiz. Auch in Dunkelheit, Schmerz und Not gibt es immer wieder Lichtpunkte und Helligkeit.

Wir danken heute allen, die uns geholfen haben, Licht zu sein.. Ein besonderer Dank gilt auch den Ärzten, mit denen wir so gut zusammen arbeiten konnten. Und die mit uDank gilt auch den Ärzten, mit denen wir so gut zusammen arbeiten konnten. Und die mit uns versuchen, die Situation unserer Patienten zu erleichtern.

Danke Ihnen allen für ihre Unterstützung, Ihr Mitsorgen und Mittragen!.

Eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und den Segen Gottes für das Jahr 1999 wünscht ihnen für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Hospiz Luise

Ihre Sr. Katharina-Maria